Tunnelsanierung im Bestand: Warum Berlins U-Bahn in Etappen langsamer wird
Die BVG saniert Streckenabschnitte, die älter sind als die meisten Fahrgäste. Das bedeutet Langsamfahrstellen statt Vollsperrungen, und eine Rechnung, die über Jahrzehnte läuft.

Berlin-weit

Gelber U-Bahn-Zug fährt in einen Berliner U-Bahnhof ein, Fahrgäste warten am Bahnsteig
Rund 80 Prozent des Berliner U-Bahn-Netzes wurden vor 1970 gebaut, Teile der U1 und U2 stammen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Was heute als Verspätung wahrgenommen wird, ist in vielen Fällen eine Langsamfahrstelle: ein Abschnitt, auf dem die zulässige Geschwindigkeit wegen Zustands von Tunnelsohle, Gleislage oder Stromschiene reduziert wurde.
Für Fahrgäste ist das die günstigere Variante. Eine Vollsperrung zur Grundsanierung würde einzelne Abschnitte für Monate vom Netz nehmen; die Etappenlösung hält den Betrieb aufrecht, verlängert aber die Fahrzeit messbar. Auf stark betroffenen Abschnitten summiert sich das im Berufsverkehr auf mehrere Minuten pro Fahrt.
Der eigentliche Engpass ist nicht das Geld allein, sondern die Verfügbarkeit von Fachpersonal und Sperrpausen. Gearbeitet werden kann im Wesentlichen nachts zwischen Betriebsschluss und erstem Zug, in Berlin an Werktagen ein Fenster von rund drei Stunden, in dem An- und Abtransport von Material bereits enthalten sind.
Ein Teil des Rückstaus ist hausgemacht: Instandhaltungsbudgets wurden über Jahre gegen Neubauprojekte ausgespielt, weil ein neuer Bahnhof politisch sichtbarer ist als eine erneuerte Tunnelsohle. Diese Logik kehrt sich gerade um, sichtbar an der wachsenden Zahl von Bestandsprojekten in den Wirtschaftsplänen der Verkehrsbetriebe.
Für den Alltag heißt das: Die Fahrzeiten auf einzelnen Linien werden in den kommenden Jahren eher steigen als sinken, bevor sie wieder besser werden. Wer planbar unterwegs sein muss, sollte bei betroffenen Abschnitten zwischen fünf und zehn Minuten Puffer einrechnen.
Über die Autorin oder den Autor

Lena Kowalski
Ressortleitung Stadtentwicklung & Verkehr · im Team seit 15. Januar 2024
Berichtet seit 2013 über Berliner Verkehrspolitik, Bauprojekte und Bezirksverwaltung. Fährt jede Strecke, über die sie schreibt, selbst ab.
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