Vom Hinterhof in die dritte Filiale: Wie eine Rösterei ohne Werbebudget wächst
Die Rösterei Voltstraße beliefert über 40 Berliner Cafés. Gründerin Aylin Demir setzt auf Direktverträge mit Erzeugern, und rechnet vor, warum das günstiger ist als Zwischenhandel.

Prenzlauer Berg

Gründerin einer Berliner Kaffeerösterei prüft frisch geröstete Bohnen
Angefangen hat es 2021 mit einem gebrauchten Trommelröster in einem Hinterhof in Prenzlauer Berg. Heute röstet der Betrieb nach eigenen Angaben rund 1,8 Tonnen Rohkaffee im Monat und beliefert über 40 Cafés im Stadtgebiet. Werbung hat das Unternehmen nach Auskunft der Gründerin nie geschaltet.
Das Geschäftsmodell hängt an der Beschaffung. Statt über Importeure kauft die Rösterei bei drei Kooperativen direkt und schließt Abnahmeverträge über zwei Jahre ab. Der Einkaufspreis liegt dadurch über dem Börsenpreis, die Kalkulation ist dafür planbar, ein Vorteil, der in Jahren mit stark schwankenden Rohkaffeepreisen den Unterschied macht.
Aylin Demir legte der Redaktion Verträge und Abrechnungen zweier Lieferbeziehungen vor. Daraus ergibt sich ein Aufschlag von rund 30 Prozent gegenüber dem jeweiligen Marktpreis zum Abschlusszeitpunkt; im Gegenzug entfallen Handelsmargen und Lagerkosten des Zwischenhandels.
Der Engpass ist nicht Nachfrage, sondern Fläche. Gewerbemieten für röstgeeignete Räume mit Abluftgenehmigung sind in den Innenstadtbezirken knapp; die dritte Filiale entsteht deshalb außerhalb des S-Bahn-Rings, mit Anlieferung per Lastenrad in die Innenstadt.
Was Betriebe daraus mitnehmen können: Direktbeschaffung rechnet sich vor allem bei kleinen, konstanten Mengen und funktioniert nur mit Verträgen, die beide Seiten binden. Einmalkäufe 'direkt vom Erzeuger' sind dagegen meist teurer, ohne für die Kooperative planbar zu sein.
Über die Autorin oder den Autor

Tarek El-Amin
Redakteur Wirtschaft & Gründerszene · im Team seit 01. Februar 2024
Schreibt über Berliner Handwerk, Handel und Startups. Legt Betriebszahlen offen, bevor er über sie berichtet.
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