Festpreis und ehrliche Absage: Eine Kreuzberger Radwerkstatt gegen den Wegwerfmarkt
Kurbel & Kette am Paul-Lincke-Ufer repariert rund 30 Räder am Tag, und schickt Kundschaft regelmäßig mit der Empfehlung weg, die Reparatur zu lassen.

Kreuzberg

Mechaniker repariert ein Fahrrad in einer Kreuzberger Werkstatt
Der Fahrradmarkt in Berlin hat sich verschoben: Billigräder aus dem Onlinehandel sind konstruktiv oft so ausgelegt, dass Verschleißteile nicht einzeln getauscht werden können. Für Werkstätten ist das ein Problem, für Kundschaft ein teures.
Kurbel & Kette am Paul-Lincke-Ufer arbeitet deshalb mit einer Festpreisliste für die zwanzig häufigsten Arbeiten und einer Kostenobergrenze: Übersteigt die Reparatur den geschätzten Restwert des Rades, wird sie nicht ausgeführt, sondern eine Einschätzung ausgestellt. Nach Angaben des Betriebs betrifft das etwa jedes achte vorgestellte Rad.
Wirtschaftlich funktioniert das über Volumen und Planung: feste Annahmezeiten, Termine statt Warteschlange, Ersatzteile für gängige Baugruppen auf Lager. Die durchschnittliche Durchlaufzeit liegt nach Werkstattangaben bei zwei Werktagen.
Auffällig ist der Anteil an Reparaturen, die durch simple Wartung vermeidbar gewesen wären. Der häufigste Schaden ist die verschlissene Kette, die zu spät getauscht wird und dann Ritzel und Kettenblatt mitnimmt, aus einem zweistelligen wird ein dreistelliger Betrag.
Die praktische Empfehlung des Betriebs für Alltagsräder: Kette alle 2.000 bis 3.000 Kilometer prüfen lassen, Bremsbeläge vor dem Winter, Licht funktionsfähig halten. Drei Punkte, die eine Werkstatt in einer Viertelstunde abarbeitet.
Über die Autorin oder den Autor

Tarek El-Amin
Redakteur Wirtschaft & Gründerszene · im Team seit 01. Februar 2024
Schreibt über Berliner Handwerk, Handel und Startups. Legt Betriebszahlen offen, bevor er über sie berichtet.
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