Gärtnern auf dem Rollfeld: Was das neue Konzept für das Tempelhofer Feld bedeutet
Zwischen Bewässerung, Bodenschutz und Nutzungsdruck entscheidet sich, wie viel Gemeinschaftsgarten das Feld verträgt. Die Beteiligung läuft noch bis Ende September.

Neukölln

Radfahrende auf dem ehemaligen Rollfeld des Tempelhofer Felds neben Gemeinschaftsgärten
Das Tempelhofer Feld ist mit rund 300 Hektar die größte innerstädtische Freifläche Berlins, und eine der am strengsten geschützten. Das Gesetz zur Erhaltung des Feldes begrenzt bauliche Eingriffe erheblich, was auch für Gartenprojekte gilt: Beete auf gewachsenem Boden sind die Ausnahme, Hochbeete und mobile Konstruktionen die Regel.
Der Konflikt ist weniger ideologisch als praktisch. Die Wiesenflächen sind Brutgebiet unter anderem für Feldlerchen; jede zusätzliche Nutzung verkleinert die Ruhezonen. Gleichzeitig ist der Druck auf gemeinschaftlich nutzbare Gartenflächen in den angrenzenden Bezirken hoch, Wartelisten für Kleingartenparzellen laufen über Jahre.
Das jetzt zur Beteiligung stehende Konzept versucht beides zu bedienen: Bündelung der Gartenflächen an den ohnehin versiegelten Rändern, feste Zuwegungen, geteilte Wasserstellen statt Einzelanschlüssen. Neu ist eine verbindliche Obergrenze für die Gesamtfläche, an der sich künftige Erweiterungen messen lassen müssen.
Für bestehende Initiativen bedeutet das Planungssicherheit, aber auch Auflagen: Dokumentation des Wasserverbrauchs, Verzicht auf bestimmte Substrate, gemeinsame Winterpause. Wer sich nicht an die Auflagen hält, verliert die Fläche an die Warteliste.
Beteiligen kann sich jede und jeder bis zum 30. September über das Beteiligungsportal des Landes. Erfahrungsgemäß entscheidet weniger die Zahl der Stimmen als die Qualität der Einwände: Konkrete Hinweise zu Wegeführung, Wasser und Ruhezonen finden regelmäßig Eingang in die Endfassung.
Über die Autorin oder den Autor

Marlene Voigt
Redakteurin Kultur & Kiezleben · im Team seit 15. Januar 2024
Begleitet Berlins Kulturszene seit den Neunzigern, von der Off-Galerie im Hinterhof bis zur Debatte um Kulturförderung im Abgeordnetenhaus.