Schulbau unter Zeitdruck: Was der Nachtragshaushalt für Berlins Baustellen bedeutet
Das Abgeordnetenhaus berät über zusätzliche Mittel für marode Schulgebäude. Ohne sie bleiben Sanierungen liegen, für die Firmen längst beauftragt sind.

Berlin-weit

Eingerüstete Backsteinschule in Berlin mit Baukran und Absperrung
Rund jede dritte Berliner Schule gilt als sanierungsbedürftig, der Investitionsstau wird auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt. Der Nachtragshaushalt, den das Abgeordnetenhaus an diesem Donnerstag berät, soll Geld für Projekte nachschieben, die bereits vergeben oder in Planung sind. Ohne die Nachschichtung würden laufende Baustellen in den Winter hinein gedrosselt.
Betroffen sind vor allem die großen Sanierungen im Bestand: Turnhallen, die seit Jahren gesperrt sind, Fassaden mit abplatzendem Putz, Heizungsanlagen aus den Siebzigern. An zwölf Schulen stehen Gerüste, an denen nach Angaben aus Bezirksausschüssen derzeit kaum gearbeitet wird, weil die Freigaben ausbleiben.
Der Flaschenhals ist dabei nicht nur das Geld. Schulbau läuft in Berlin über die Bezirke, und dort fehlt es an Ingenieurinnen und Projektleitern. Ausschreibungen scheitern regelmäßig an der ersten Runde, weil Firmen auf die langen Zahlungsziele der öffentlichen Hand gar nicht mehr bieten. Das verteuert die Projekte zusätzlich.
Für Eltern und Schüler bleibt der Alltag provisorisch: Containeranlagen, ausgelagerte Klassen, Sportunterricht in fremden Hallen. An manchen Standorten hält dieser Zustand länger an als eine komplette Schulzeit in der Unterstufe.
Was sich konkret ändern kann, hängt an zwei Punkten im Nachtrag: einer Pauschale für kleinere Sanierungen unterhalb der Ausschreibungspflicht und zusätzlichen Stellen in den Bezirksbauämtern. Beides gilt im Haushaltsausschuss als unstrittig, strittig ist die Finanzierung.
Grundlage dieser Recherche
- Abgeordnetenhaus Berlin: Tagesordnung Nachtragshaushalt, September 2026
- Gespräche mit Bezirksausschüssen: Stand September 2026
Über die Autorin oder den Autor

Lena Kowalski
Ressortleitung Stadtentwicklung & Verkehr · im Team seit 15. Januar 2024
Berichtet seit 2013 über Berliner Verkehrspolitik, Bauprojekte und Bezirksverwaltung. Fährt jede Strecke, über die sie schreibt, selbst ab.